Konzept

VISIONS NYC – afterthoughts
Bärbel Möllmann

Als ich 1999 zum ersten Mal nach New York kam, konnte ich mir nicht vorstellen, dass dies
„DIE Stadt der Träume“ für so viele junge Menschen sein sollte. Also begann ich damit, diesen Mythos des „Big Apples“ näher zu untersuchen.
Im Jahr 2001 hielt ich mich drei Monate in New York City auf, um meine Arbeit VISIONS NYC umzusetzen. Im Zuge dessen fragte ich insgesamt 32 Menschen nach ihrem Traum, für dessen Erfüllung sie nach NYC gekommen waren.

Jeder Interviewpartner zeigte mir den Ort, der für ihn selbst und für seine Zukunftsvision
in dieser Stadt stand. So traf ich Anna Fischer, die es als Modell auf ein Billboard-Plakat am Times Square schaffen wollte, oder Prassard, der von einem eigenen Büro im World Trade
Center träumte.

Drei Wochen nach meiner Rückkehr schaute ich mit einem ganz neuen Blick auf diese Interviews. Am 11. September 2001 stürzten die Türme des World Trade Centers in sich zusammen und mit ihnen zerbrach ein Weltbild, das von Sicherheit, Zuversicht und optimistischen Zukunftsvisionen geprägt war. Nach den Anschlägen hielt ich das ganze Projekt für hinfällig. Wer sollte sich nach dem Geschehenen noch für Träume interessieren, die nun in Schutt und Asche lagen?

Ich hatte mich mit einigen der Interviewpartner während meiner Zeit in NYC angefreundet.
Sie bestärkten mich darin, das Projekt fortzusetzen und nachzufragen, was aus den Vorstellungen, Weltbildern und Träumen meiner Interviewpartner geworden war.
So fuhr ich im November 2002 erneut nach NYC. Nicht alle Interviewpartner konnte ich wieder ausfindig machen, denn einige lebten nicht mehr in der Stadt und waren mit unbekannter
Adresse verzogen. Also suchte ich weitere Interviewpartner, die mir ihr von den Eindrücken des 11. Septembers geprägtes Weltbild schildern wollten, um so eine Vorstellung von der Metropole nach der Katastrophe zu erhalten.

Die damals entstandenen Interviews und Fotos sind zum Teil intime und sehr emotionale Zeugnisse einer sich radikal verwandelten Weltsicht geworden. Sie zeigen ein deutliches Portrait der Stadt NYC nach den Anschlägen und machen die tiefgreifenden Veränderungen der persönlichen Situation und oft auch der politischen Haltung der Menschen innerhalb eines Jahres deutlich.

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